Weidefläche wird vergrößert


Auf einer Fläche von rund fünf Hektar wird ein lichter Weidewald hergestellt. Am 19. Januar beginnt das von der Stadt Freudenstadt beauftragte Forstunternehmen nach Abstimmung mit dem Naturschutzreferat im Regierungspräsidium Karlsruhe und der Forstverwaltung mit dem Gehölzrückschnitt. Die Arbeiten zum Gehölzrückschnitt können voraussichtlich bis Ende Februar abgeschlossen werden. Der Verkehr wird durch die Arbeiten nicht beeinträchtigt werden, teilt das Regierungspräsidium (RP) mit.

Mit diesen vorbereitenden Gehölzarbeiten werde offene Weidefläche geschaffen, die durch Baumgruppen und Einzelbäumen gegliedert sei. Diese Fläche werde künftig in die bereits bestehende Weidefläche integriert und die Weidefläche damit „deutlich ausgedehnt“. Mit der Beweidung würden die europäisch geschützten Heiden und Borstgrasrasen des Nordschwarzwaldes im Naturschutzgebiet langfristig erhalten und verbessert. Die Beweidung sei ein aktiver Schritt, die Artenvielfalt zu erhalten.

Die aktuellen Gehölzarbeiten verändern das Landschaftsbild am Kniebis und sind deutlich sichtbar, so die Behörde weiter. Für manche möge dies verstörend wirken: Bäume und Wälder gälten als das Sinnbild des Schwarzwaldes. Im Nordschwarzwald hätten sich durch die jahrhundertlange menschliche Nutzung neben dichten Wäldern jedoch auch Waldsäume und Waldlichtungen sowie artenreiche Heiden und Borstgrasrasen entwickelt. Zahlreiche Tiere profitierten von dieser vielfältigen Landschaft. Ohne die Gehölzpflege und Beweidung würde die Landschaft mit offenen und sonnenreichen Heiden verbuschen und zuwachsen. Landschaftspflege und Gehölzschnitt seien daher „aktiver Artenschutz“.

Von den neu geschaffenen Heideflächen sollen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren, darunter die Kreuzotter, das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn, das in den besonnten Heidelbeerflächen Nahrung finde, ebenso die Ringdrossel, die aussehe wie eine Amsel mit weißem Halstuch. Sie stehe im Schwarzwald ebenfalls kurz vor dem Aussterben. Zur Nahrungssuche brauche sie kurzrasige Flächen mit Baumbeständen. In dem neu entstehenden Lichtwald könne sich ausgedehnte Heideflächen entwickeln, die zahlreichen Schmetterlingen, Heuschrecken und Wildbienen als Nahrungsquelle, Versteck und Fortpflanzungsstätten dienten.

Weiterhin seien zahlreiche Tierarten auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert. Ein kräftiger Wuchs des Pfeifengrases sei beispielsweise für die in Baden-Württemberg gefährdete Moor-Pfeifengraseule überlebensnotwendig ­-  ein Nachtfalter, der seine Eier nur am Pfeifengras ablege. Das Pfeifengras wiederum wachse nur auf mäßig feuchten, sauren Böden und benötige Licht und Sonne zum Wachsen. Weitere Nachtfalter bräuchten Lebensräume mit Heidekraut und Heidelbeeren.

Mit der Gehölzpflege sichere sich die Stadt Freudenstadt in Absprache mit der Naturschutzverwaltung Ökopunkte für ihr kommunales Ökokonto. Dadurch schaffe die Stadt schon jetzt Ausgleichsflächen für künftige Bauvorhaben, die mit Eingriffen in die Landschaft verbunden wären. Im Rahmen der naturschutzfachlichen Eingriffsregelung könne die Stadt dann auf bereits vorhandene Ökopunkte zurückgreifen, die sie durch solche Projekte gesammelt habe. So unterstütze die Stadt aktiv den Artenschutz und trägt gleichzeitig Sorge für die zukünftige Kommunalentwicklung.

Die Beweidung werde im Frühjahr wieder starten. Sie erfolge im Auftrag des Naturschutzreferats im Regierungspräsidium Karlsruhe und werde mit Mitteln der Landschaftspflegerichtlinie des Landes finanziert. Sechs Konik-Stuten und vier Fohlen weiden dann wieder bei geeigneter Wetterlage auf einem Teil der Fläche, so das RP. Die Tiere stammen aus einer Nachzucht aus dem Zoo Karlsruhe.  Mitarbeiter des Nationalparks übernehmen das Beweidungsmanagement vor Ort und stellten die tägliche Betreuung der Tiere sicher.

Koniks als Nachzucht ehemaliger Wildpferde seien heute in zahlreichen Naturschutzgebieten in Deutschland im Einsatz. Die Beweidung der offenen, weitgehend baumlosen Grindenflächen habe sich auch im Nationalpark Schwarzwald bereits bewährt. Dadurch entstünden Lebensräume für zahlreiche Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge. Koniks gelten als genügsam sowie sehr robust und widerstandfähig gegen Kälte und Wind. Sie fressen hauptsächlich Gräser, aber auch Wurzeln von Kräutern oder Rinde. Durch ihren starken Herdentrieb und die gutmütige Art sei das Beweidungsmanagement unproblematisch. Für die Zukunft sei außerdem geplant, die Herde mit den ebenfalls durch Rückzüchtungen erhaltenen Heckrindern (Auerochsen) und eventuell auch Wisenten aus dem Zoo Karlsruhe zu erweitern.

Das Naturschutzgebiet „Kniebis-Alexanderschanze“ wurde 1996 ausgewiesen und ist rund 190 Hektar groß.  Seit 20 Jahren steht es auch unter europäischen Schutz. Es gehört zum FFH-Gebiet „Wilder See Hornisgrinde und Oberes Murgtal“ sowie zum Vogelschutzgebiet „Nordschwarzwald“.

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