Neue Abteilung im Stadtmuseum


Die Abteilung Christophtals ist seit jeher dem historischen Bergbau und der Münzprägung gewidmet. Sie wird jetzt durch Fundstücke und neuere Dokumente wesentlich erweitert und attraktiver. Dabei half auch ein Zufall. So zeigte das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart für seine Ausstellung über die Herrscherfigur Herzog Christoph (1515 bis 1568) Interesse am über 450 Jahre alten Haspelbaum und an historischen Werkzeugen aus Freudenstadt, die in den Jahren 1996 bis 1999 beim Aufwältigen des heutigen Besucherbergwerks „Heilige drei Könige“ (hinter dem Fachärztezentrum) gefunden wurden. Jürgen Schnurr, zweiter Vorsitzender des Vereins, war seinerzeit mit dabei. Die Haspel lagerte seitdem als Schaustück im Vorraum des Besucherbergwerks, die Kosten ihrer fachmännischen Restaurierung hätten die finanziellen Möglichkeiten des Vereins bei weitem übertroffen. Dies übernahmen nun die Fachleute des Landesmuseums, dem der Verein die Haspel für die Zeit der Ausstellung als Leihgabe überließ. Dieser Tage wurde das alte Tannenholz wieder aus Stuttgart abgeholt, samt Glasvitrine, in der es künftig im Museum mit dem alten Werkzeug zu sehen sein wird.
Unterstützt durch eine größere Spende, durch Mittel vom Landkreis und der Stadt Freudenstadt, ging der Verein, damals unter Vorsitz von Erwin Reichert, ab 2012 mit hohem Einsatz an ehrenamtlicher Eigenarbeit daran, das Heimatmuseum im Stadthaus zu entstauben, es neu zu ordnen und teilweise umzubauen. Nottreppe, Fluchtwege wurden eingebaut, die Ausstellungräume wurden heller und übersichtlicher. In Zusammenarbeit mit dem Stadt- und Kreisarchiv entstand das neue „Museum für Stadt und Kreis Freudenstadt“ im Stadthaus, dessen Besucherzahlen seitdem jährlich kontinuierlich steigen.
Als letzter Baustein wird nun vom Heimat- und Museumsverein die Abteilung Christophstal eröffnet. Zu sehen sein wird dort neben Zeugen der Bergwerksgeschichte auch ein neues Schaustück: Der Bohrkern, der bei einer Erkundungs- und Forschungsbohrung im Jahr 2008 durch das Landesamt für Geologie und Rohstoffe genau 291 Meter tief unter dem Christophstal aus dem massiven Triberger Granit gebohrt wurde. Nicht minder massiv ist eine Leihgabe aus Dornstetten, der 203 Kilo wiegende Grabstein der Bergrichters Melchior Höhr aus Basel (gestorben 1599), der einst im Christophstal wirkte, und Herzog Friedrich I. empfohlen haben soll, die Stadt Freudenstadt am heutigen Platz „ob dem Christophtals“ zu gründen.
Eine Abteilung widmet sich der interessanten Geologie und der Mineralogie im Christophstal. Dem historischen Bergbau mit dem restaurierten Haspelbaum und den Werkzeugen. Und es gibt seltene Zeugen aus der nur wenige Jahre von 1622 bis 1628 dauernden Münzstätte Christophstal. Aus dieser Zeit sind Hirschgulden, auch Ausbeutetaler und Geschenkmedaillen sind zu sehen. Darüber hinaus geht es auch um den einstigen „Industriestandort“ Christophstal, wo einst die Königliche Gewehrfabrik (heute Mauser) ansässig war, die Spinnerei Münster / Tuchfabrik Hoyler, das Gasthaus „Bad“ mit seiner wechselvollen Geschichte (Messingfaktorei / herzogliche Verwaltung des Eisenwerks / Forstverwaltung) und bis vor wenig Jahren (und bald wieder?) das Gasthaus „Bärenschlössle“ Das heutige Gebäude wurde 1627 vom Generalfaktor Peter Stein als Lehenshof und Altersitz erbaut. Peter Stein war der Herr über die Knappen und Bergleute. Schließlich geht die neue Abteilung nahtlos über in die ehemals bestehende Feilenhauerei Bührle, von der einige markante Werkzeuge und Teile bereits seit Jahren ausgestellt sind.


Text: Hannes Kuhnert