Der Hauptmann von Köpenick

Der Hauptmann von Koepenick
Di, 24. Mai 2022
20:00 Uhr

„Det jeht vorüber, det bin ick jewohnt. Aber det rumlaufen ohne Pass, und det Versteckspielen, und de janze Schinderei, det kann ick nu nich mehr mitmachen.“
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Beschreibung

Schon in seiner Jugend saß der Schuster Wilhelm Voigt 15 Jahre im Zuchthaus, weil er Urkunden gefälscht hatte. Aus der Haft entlassen, lebte er unter falschem Namen, um nicht als vorbestraft zu gelten. Der Schwindel flog auf, Voigt landete erneut im Gefängnis. 15 Monate später, nun wieder in Freiheit, sucht er Arbeit und einen Weg zurück in die Gesellschaft. Aber die für die Arbeit notwendige Aufenthaltsgenehmigung wird ihm verweigert, solange er arbeitslos ist.

Aus dieser tragikomischen Zwickmühle der Instanzen, von denen sich für diesen Fall jede einzelne für nicht zuständig erklärt, kommt er auf legalem Weg nicht mehr heraus. Kurzentschlossen überredet er deshalb seinen Kumpel Kalle dazu, mit ihm ins Polizeirevier Potsdam einzubrechen. Dort will er sich Formulare und Stempel besorgen, die ihm zur Existenzberechtigung verhelfen sollen. Doch Voigt ist vom Pech verfolgt! Die beiden Einbrecher werden geschnappt – wieder muss der arme Schuster für zehn Jahre ins Gefängnis. Unter dem Gefängnisdirektor, der ebenso gerecht und idealistisch wie militärbegeistert ist, blüht Voigt auf und lernt zum Zeitvertreib die militärischen Dienstregeln auswendig. Nach seiner erneuten Entlassung kommt er bei seiner Schwester unter und scheint dort zunächst tatsächlich einen Platz im Leben gefunden zu haben. Dann aber holt ihn die Bürokratie wieder ein. Er erhält den Ausweisungsbefehl und muss Berlin innerhalb von zwei Tagen verlassen. Schon wieder steht Voigt vor dem Nichts und fasst einen Plan: Bei einem Trödler kauft er eine alte Hauptmannsuniform, die eine fast ebenso bewegte Vorgeschichte hat wie er selbst.

Vor zehn Jahren probierte der Uniformschneider Wormser sie dem schneidigen Hauptmann von Schlettow an – gerade während Voigt wieder einmal vergeblich nach Arbeit fragte. Wenig später geriet von Schlettow als Zivilist in eine Schlägerei, musste den Dienst quittieren und die Uniform zurückgeben. So fand diese ihren Weg zu Dr. Obermüller, der soeben zum Leutnant der Reserve ernannt wurde. Zehn Jahre später – Obermüller war inzwischen Bürgermeister von Köpenick geworden – wurde sie ihm jedoch zu eng. Als Kostüm auf einem Ball verlebte die Uniform einen letzten glanzvollen Moment und landete schließlich verblichen und fleckig beim Trödler Krakauer.

Jetzt schmückt sie Voigt mit ihrer Autorität. Er kommandiert einen Zug Soldaten, der gerade vorbeimarschiert, zu einem Sonderauftrag ab. Voigt besetzt das Rathaus von Köpenick, verhaftet den Bürgermeister Obermüller und beschlagnahmt kurzerhand die Stadtkasse. Nur den Pass, den er sich durch die Kapriole eigentlich besorgen wollte, bekommt er nicht, da das Rathaus Köpenick keine Passbehörde besitzt. Unverrichteter Dinge und frustriert taucht Voigt unter, während ganz Berlin sich über seine Eulenspiegelei amüsiert. Gegen die Zusicherung einer Aufenthaltsgenehmigung stellt er sich schließlich den Behörden. Dem nächsten Gefängnisaufenthalt sieht er jedoch entspannt entgegen: „Det jeht vorüber, det bin ick jewohnt. Aber det rumlaufen ohne Pass, und det Versteckspielen, und de janze Schinderei, det kann ick nu nich mehr mitmachen.“

Mit Der Hauptmann von Köpenick – der laut Thomas Mann „besten Komödie der Weltliteratur“ seit Gogols Revisor – griff Carl Zuckmayer 1930 einen damals fast 25 Jahre zurückliegenden historischen Vorfall auf. Am 25. Oktober 1906 hatte sich der Schuster Friedrich Wilhelm Voigt als Hauptmann ausgegeben, das Köpenicker Rathaus besetzt und die Stadtkasse geraubt. „Wenn auch die Geschichte mehr als zwanzig Jahre zurücklag“, schrieb Zuckmayer über diese historische sogenannte Köpenickiade, „so war sie gerade in diesem Augenblick, im Jahre 1930, in dem die Nationalsozialisten als zweitstärkste Partei in den Reichstag einzogen und die Nation in einen Uniformtaumel versetzten, wieder ein Spiegelbild der Gefahren, die in Deutschland heranwuchsen.“ Vor diesem Hintergrund schrieb Zuckmayer sein „deutsches Märchen“, eine sozialkritische Satire auf das Kaiserreich, in der er Militarismus und blinden Gehorsam aufs Korn nimmt.

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Veranstaltungsort
Kurhaus
Lauterbadstrasse 5
72250 Freudenstadt
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Treffpunkt

Theater im Kurhaus

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Kosten

27 EUR / 24 EUR / 21 EUR, Schülerkarten 5 EUR

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Hinweise
  • Bei dieser Veranstaltung erhalten Sie freien Eintritt mit der "Schwarzwald Plus"-Karte
  • Diese Veranstaltung ist barrierefrei
  • Diese Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt
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Veranstalter
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