Dienstleistung

Ökokonto

Die Stadt Freudenstadt hat ein Ökokonto eingerichtet, um Ausgleichsflächen bereit zu halten, damit Eingriffe in Natur und Landschaft, die durch eine Planung entstehen, wieder ausgeglichen werden können. Die Natur erhält gewissermaßen ihren entnommen Lebensraum zurück.

Die Stadt Freudenstadt hat in ihrem Ökokonto allerdings nicht nur die üblichen naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen eingebucht, sondern auch forstfachliche - also Ausgleichsflächen im Wald. Diese können für Eingriffe in den Wald, aber - Dank eines neu entwickelten Punktesystems - auch für Eingriffe in der freien Landschaft dienen.

So entstand das Ökokonto – Auszug aus dem Gemeinderatsprotokoll

Bereits im Juli 2005 wurde mit der Forstdirektion Freiburg und dem Kreisforstamt Freudenstadt grundsätzlich festgelegt, dass die Ermittlung des forstrechtlichen Ausgleichsbedarfs und der Kompensation des Gewerbegebietes „Sulzhau“ für die erforderliche WUG ein Pilotprojekt darstellen soll, das die langfristige Denkweise zur Realisierung einer neuen Entwicklung berücksichtigt.
Dabei stellt Freudenstadt wie auch andere Kommunen mit hohem Waldanteil einen Sonderfall dar. Denn gemäß § 9 Abs. 3 Landeswaldgesetz (LWaldG) ist vorgesehen, dass als Ersatz primär eine Neuaufforstung vorzunehmen ist, ein schützender Bestand zu erhalten ist oder sonstige Schutz- und Gestaltungsmaßnahmen zu treffen sind. Bei Kommunen mit über 60% Waldanteil auf der Gemarkung - wie in Freudenstadt der Fall - wird regelmäßig auf diese primär einzusetzende Wiederaufforstung verzichtet und auf die zweitrangigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zurückgegriffen. Soweit nachteilige Wirkungen einer Umwandlung nicht ausgeglichen werden können, ist eine Walderhaltungsabgabe nach § 9 Abs. 4 LWaldG zu entrichten.
Im Rahmen des Pilotprojektes wurde gemeinsam mit der Forstdirektion der auszugleichende Wert berechnet, der in monetärer Form die Differenz vom Bestand zur Rodungsfläche darstellt. Dieser auszugleichende Wert berechnet sich anhand eines Erfahrungswertes der Forstdirektion über die Kosten von Wiederaufforstungs-maßnahmen in derselben Größe wie die zu rodende Fläche je WUG. Bei einem monetären Ausgleichswert von 1,50 € / m² ergibt sich bei einer Gesamtgröße der WUG von 250.000m² eine Ausgleichssumme von 375.000,-- €. Dieser Wert setzt sich zusammen aus einem Ausgleich in der Fläche, der über ein Aufforstungsäquivalent angerechnet wird und aus einem Ausgleich der monetär angerechnet wird:
Im vorliegenden Gutachten wird nun dieser (rechnerische) Ausgleichswert in Ökopunkte umgerechnet und entspricht einem Ausgleichsbedarf von 4.355.308 Ökopunkten. Zum Erreichen des Ausgleichs für die WUG sind daher bei dieser Betrachtungsweise keine monetären Mittel dem Eingriff gegenüber zu stellen, sondern Ökopunkte, die es zu realisieren gilt. Welcher tatsächliche finanzielle Wert diese Ausgleichsmaßnahmen dann in Anspruch nehmen, kann erst bei der Realisierung bzw. bei der Beantragung der WUG benannt werden.
Dabei soll die Erschließung und Beantragung der WUG in zwei bis vier Teilabschnitten erfolgen. Die WUG´s werden bei Vorhalten der erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen flexibel und schnell von der Forstdirektion erteilt und sind auf drei Jahre befristet. Das Honorar der Bewertung der Ausgleichsmaßnahmen durch den Verein für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung Freiburg (VFS) kann aufgrund seiner Pilotfunktion angerechnet werden.
Daraufhin hat die Verwaltung in enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Freudenstadt, dem Kreisforstamt samt den Revierförstern und der höheren Forstbehörde beim Regierungspräsidium Freiburg dem VFS am 1. Februar 2006 den Auftrag zur Überprüfung des Ökokonto-Potentials im Gesamtstadtwald der Stadt Freudenstadt, respektive zum Ausgleich für die Waldumwandlungsgenehmigung im Gebiet „Sulzhau“, erteilt.
Das nun abgegebene Gutachten des VFS (hier als pdf-Datei im Anhang) umfasst die Herleitung des forstrechtlichen Ausgleichsbedarfs für das Gewerbegebiet “Sulzhau“, beschreibt und bewertet die durch den Eingriff erforderlichen Kompensationsmaßnahmen und zeigt künftige Ökopunktepotenziale im Stadtwald auf. Mit Umsetzung der Maßnahmen wird der forstrechtliche Ausgleich für das Gewerbegebiet „Sulzhau“ erreicht. Weitere Maßnahmen aus diesem Gutachten, die nicht für den forstrechtlichen Ausgleich für das Gebiet „Sulzhau“ erforderlich sind, stehen im Rahmen des Ökokontos anderen städtebaulichen Planungen zur Verfügung.
Für die Kompensation der Waldumwandlung werden Maßnahmen vorgeschlagen, die vor allem aus ökologischer Sicht und aus Sicht der Erholungsnutzung zu einer Aufwertung des Stadtwaldes führen werden. Die Maßnahmen reichen von der Gestaltung gestufter, artenreicher Waldränder über die Förderung von Laubbäumen in Nadelholzbeständen, das Zurückdrängen der Sukzession im Forbachtal bei Kniebis bis hin zu Habitatpflegemaßnahmen für das Auerwild.
Die Bewertung stützt sich auf das im September 2004 von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) veröffentlichte Modell zur Bewertung von Biotoptypen. Ergebnisse einer Arbeitsgruppe an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg zum Ökokonto im Wald wurden im Gutachten berücksichtigt und durch Bewertungsansätze des VFS ergänzt.
Der Modellcharakter des Projekts erforderte eine enge Zusammenarbeit der VFS mit dem Kreisforstamt Freudenstadt, den Revierleitern und dem Regierungspräsidium Freiburg, Ref. 82. und der Stadt. Sowohl die Herleitung des Ausgleichsbedarfs als auch die Auswahl und Bewertung der Kompensationsmaßnahmen wurde diskutiert und abgestimmt.
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Impressionen aus Freudenstadt
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